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Ein Seminar: Meditation und Heilung

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Von Patricia

Im Dezember 2010  habe ich an einem Seminar über Meditation teilgenommen, dem ein wissenschaftlicher Kongress „ Meditation und Heilung“ vorausgegangen war. Referenten des Seminars waren Dr. Imogen Dalmann und Martin Soder. Da ich mich (wie alle Damen hier) zur Zeit in der Ausbildung zur Yogalehrerin im Berliner Yoga Zentrum befinde und die Lehrer oben genannte sind, war ich sehr interessiert, was ich bei diesem Seminar lernern konnte – zusätzlich zur Ausbildung.

Samstagvormittag sollte ein allgemeiner Vortrag stattfinden, am Nachmittag und folgenden Sonntagvormittag dann das eigentliche Seminar. Letztlich waren wir ungefähr 10 Teilnehmer, davon die meisten mit Yoga befasst und in der Meditation erfahren. Das Thema  des Seminars „Meditation und Heilung“ wurde allerdings mehr zu einem Seminar über Yoga und Meditation.

So wurden die grundsätzlichen Konzepte der Meditation besprochen; einmal aus yogischer Sicht (hier das Konzept des Yoga Sutras von Patanjali ) und aus westlicher/heutiger Sicht.Wobei hier im Westen natürlich meist alte östliche Traditionen wie die Zen-Meditation praktiziert werden. Die Ansprüche an die Wirkungen der Meditation – nämlich Heilung – unterscheiden sich heute nicht sehr von den Konzepten, die das Yoga Sutra mit der Meditation zu erreichen sucht.

Das Yoga Sutra sagt, dass Meditation immer einen Kontext, ein Anliegen  braucht. Dies kann eine Frage sein, ein Wort oder auch eine Befindlichkeit, die der Meditierende erlangen möchte. Beispielsweise:  Mitgefühl, Dankbarkeit,  Freude, Gesundheit. Und Meditation wird nie ohne Vorbereitung praktiziert. Zunächst werden Asanas geübt, dann Pranayama (Atemübungen) und erst dann wird die Meditation ausgeführt.

Laut Yoga Sutra hat Meditation folgende Wirkungen:

  • Erlernen von Ausrichtung bzw. Konzentration
  • Entspannung und Entlastung, d.h. Raum schaffen, der ohne Leid (dhukha) ist
  • Ressourcen realisieren und aktivieren, z.B. Mitgefühl, Vertrauen und Verständnis für „alles“.

Dies führt zur Selbsterkenntnis, laut Yoga Sutra der Schlüssel des Seins: ein tiefes Gefühl  innerer Freiheit.

In der westlichen Welt dagegen wird häufig ohne „Reihenfolge“ meditiert und auch ohne ein definiertes Ziel. Dies kann zu Verwirrung in Bezug auf die Erfahrung führen und auch die Erfahrung selbst kann zu Verwirrung führen.

Das Seminar beinhaltete neben der Theorie viel Praxis für eine gute Vertiefung und zum besseren Verständnis des Gehörten. Die Meditation wurde mit Asana und Pranayama gut vorbereitet. Ein Teilnehmer berichtete, dass er früher Zen-Meditation praktizierte und nie so leicht und schnell in die Meditation gefunden habe. Gerade durch Pranayama mit Verlängerung des Ausatems kommt es zu eine Beruhigung des Inneren, was als ein sehr guter „Türöffner“ gesehen und erlebt wird. Dies wurde von allen Teilnehmern so empfunden.

Die Meditationspraxen gestalteten sich alle unterschiedlich. So erlebten wir die Technik der dynamischen Meditation, in der während des Meditierens der Ort des Fokus gewechselt wird. Wir übten dies mit verschiedenen Körperorten (Stirn, Kehle, Brust, Solarplexus, Nabel, Unterbauch). Es gibt Traditionen, in denen die dynamische Meditation vor der eigentlichen Meditation angewendet wird, um das Eintauchen zu erleichtern. Der Grund liegt wohl darin, dass es oft einfacher ist, die Aufmerksamkeit zu halten, wenn man sich auf mehrere Dinge fokussiert.

Die statische Meditation bezieht sich auf einen konkreten Fokus, der nicht mehr geändert wird. Dies kann ein Körperort sein oder ein Chakra usw. Wenn man während der Meditiation Müdigkeit verspürt oder die Ausrichtung verliert, sollte man zu einer dynamischen Meditation übergehen.

Wird Meditation gelehrt, beginnt man immer mit der dynamischen Meditation: „Ausrichtung lernen in Offenheit“. Soll heißen, dass das Finden eines passenden Fokus einfacher ist, wenn man viele Möglichkeiten kennenlernt. Und die Möglichkeiten sind vielfach. Die Ausrichtung fällt mit jedem Üben leichter; denn letztlich wird der Geist mit jeder Meditiation konditioniert.

Wir haben auch gelernt, uns auf ein Ereignis bzw. eine Situation auszurichten und dieses dann während der gesamten Meditation zu wiederholen. Imogen gab uns die Auswahl zwischen „Dankbarkeit“ und „stille Freude“. Wir sollten uns die jeweilige erlebte Situation vorstellen und die Ausrichtung darauf halten. Für viele von uns war dies eine ausgesprochen angenehme Meditation, da sie ein weites Feld freigab. Auch für mich fühlte sich diese Form sehr warm und schön an.

Zuletzt noch einige Worte zur die Mantra-Meditation, bei der man dieselbe Silbe oder die selben Wörter im Geiste wiederholt. Imogen hat diese Meditation vorbereitet, indem sie schon während der Asanas und des Pranayama die Silben „ma namaha“ (ich begrüße mich) tönen ließ.  Zur Meditation ließ sie dann die Silben ein weiteres Mal tönen, damit wir diese  dann in Gedanken wiederholen konnten. Die Mantra-Meditation kann natürlich mit unzähligen Mantras praktiziert werden. Oft ist es das OM oder andere, vielleicht sehr persönliche Mantras.

Was ist das besondere an Mantras? Das aus dem Sanskrit stammende Wort „Mantra“ besteht aus den beiden Wortteilen „Ton“ und „Wirkung“, d.h. also, ein Ton mit einer (besonderen) Wirkung. Folgt man dem Yoga Sutra, fördert Mantra Ausrichtung, Atem und emotionale (Um-)Stimmung. Das Mantra soll  aber auch selbstwirksam in Imagination, Erinnerung und der Aktivierung von Ressourcen sein. Und – das Mantra soll Kraft haben, ist sozusagen magisch durch seine Wortbedeutung. Wie zum Beispiel das Mantra OM, das dazu dienen soll, mit bhraman (das Höchste/Göttliche) in Kontakt zu kommen.

In der sich an die Mantra Meditation anschließenden Diskussion waren die erlebten Gefühle sehr unterschiedlich. Sie gingen von erlebter Beschränkung, über Leichtigkeit, Unruhe und Enge sowie tiefes Eintauchen in die Meditation. Diese unterschiedlichen Wahrnehmungen waren bei allen Meditationsform zu bemerken. Ich persönlich habe die Mantra Meditation als zu eng empfunden. Mein Geist war unruhig und ungeduldig. Nichts für mich! Oder ich sollte besser sagen: Das gewählte Mantra entsprach mir nicht.

Dies ist auch ein Ergebnis im Hinblick auf Wirkweise und therapeutische Anwendung: Nicht jede Form der Meditation ist für jeden gut oder hilfreich, sondern muss immer wieder individuell (vini yoga) angepasst werden!!

Als Fazit stellt sich also sowohl für Lehrende als auch Praktizierende immer wieder die Frage: Was bringt mich in die Tiefe, was macht mich leicht

was macht mich eng? Was fördert meine Ausrichtung/Konzentration?

Dies zu kommunizieren und zu reflektieren ist ein Hauptbestandteil in der therapeutischen und praktischen Anwendung von Meditation.

Nun bin ich denn auch  bei „Meditation und Heilung“ angekommen, dem ursprünglichen Thema des Seminars. Grundsätzlich gab Martin zu bedenken, dass es immer eine Entscheidung des Lehrers sein sollte, ob es zum Besten des Schülers/des Suchenden ist, gleich mit Meditation zu beginnen oder ob es nicht zunächst hilfreicher sein könnte, mit körperlicher Erfahrung (Asanas) anzufangen und diese Erfahrungen erst zu vertiefen und verfestigen.

Letztlich ist Yoga, und damit auch die Meditation als ein Glied des Pfades mit einem Bild zu beschreiben:

Ein Bauer, dessen Feld durch Erdhügel begrenzt ist, sticht einen Damm, um das Wasser auf das Feld gelangen zu lassen. Das Wasser verteilt sich auf dem Feld – was dann passiert, hängt von der Beschaffenheit des Bodens ab, von Sonne, Wind etc.  Dieses Bild beschreibt, dass der Lehrende den Impuls ins System (Mensch) gibt, die Wirkweise dessen liegt jedoch beim Individuum selbst.

Das Fazit? Ein interessantes, lehrreiches Seminar. Ich habe viel gelernt über die Techniken von Meditation, ihre Hintergründe und die Sichtweise des Yoga Sutras. Und ich finde die Verbindung von Meditation und Yoga schlüssig und richtig. In Bezug auf Heilung stellt sich immer die Frage: Was ist Heilung? Wo beginnt Heilung? Für mich ist Meditation ein Teil des Yogawegs und ihre Wirkung im weitesten Sinn unbestritten. Und ich kann nur wiederholen, was ich weiter oben schon einmal hervorgehoben habe: Nicht alles ist für jeden gut!

Yoga, Meditation als Therapie – sollte immer individuell neu betrachtet und angepasst werden, denn es gibt nicht DIE eine Meditation oder DEN einen Weg zur Heilung.

In diesem Sinn wünsche ich allen, die den Weg des Yoga einschlagen, Offenheit und Freude im Üben und Erleben.

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